Gastbeitrag: Narkosen in der Kinderzahnheilkunde

Eine unnötige Gefahr für mein Kind?

Karies bei Kindern und Jugendlichen ist in den meisten westeuropäischen Regionen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig konnte man, häufig vergesellschaftet mit einer sozialen Komponente, eine Polarisierung der Karies feststellen. Man kann sagen, dass viele Kinder wenig Karies und damit wenig Behandlungsbedarf haben, allerdings wenige Kinder viel Karies mit einem entsprechend enormen Behandlungsbedarf besitzen. Das betrifft häufig auch schon sehr kleine Kinder zwischen dem 2. und dem 12. Lebensjahr.

Kinder und Jugendliche der ersten Gruppe lassen sich in aller Regel mit ein wenig Geduld und entsprechenden Techniken zur Verhaltensführung problemlos in Lokalanästhesie behandeln. Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen der zweiten Gruppe gestaltet sich die zahnärztliche Therapie schwieriger, handelt es sich doch häufig um kleine Kinder mit erheblichem Behandlungsbedarf. Vorrangiges Ziel des zahnärztlichen Handelns ist die Behandlung der erkrankten bzw. die Entfernung der zerstörten Milchzähne, um einer eventuellen Schädigung der darunter liegenden Zahnanlagen der bleibenden Zähne entgegen zu wirken.

Idealerweise geschieht das durch Anwendung schonender Behandlungsformen. Ziel ist die Vermeidung von Schmerzen und Behandlungsängsten seitens der kleinen Patienten. Diese führen häufig zu einem Abbruch bzw. Vermeidung der Therapie. Um den drohenden Teufelskreis zu durchbrechen, bleibt in einigen Fällen nichts anderes übrig, als den Eingriff in Vollnarkose durchzuführen. Aus der Zeit der nicht kindgerechten Zahnmedizin sind schon viele Erwachsene mit Zahnarztphobien hervorgegangen.

Für die zahnärztliche Behandlung in Allgemeinanästhesie gibt es klare Indikationen:

  • Extrem unkooperativer Patient,

  • Patienten mit geistiger und körperlicher Behinderung,

  • Patienten nach Trauma im Mund-, Kiefer- oder Gesichtsbereich,
  • suffiziente Schmerzausschaltung in Lokalanästhesie nicht möglich (z. B. bei Infektionen oder anatomischen Besonderheiten),
  • ausgedehnte Befunde mit langer Behandlungsdauer,
  • Patienten mit Zahnarztphobien.


Nach entsprechender Indikationsstellung durch den Zahnarzt werden die Kinder im Vorfeld der eigentlichen zahnärztlichen Behandlung von einem Anästhesisten voruntersucht. Eruiert werden der Grad der Vorerkrankungen, anatomische Besonderheiten, die von anästhesiologischer Relevanz sein könnten, sowie der aktuelle Infektstatus. Geplante Behandlungen in Allgemeinanästhesie, die keinen Notfall darstellen, werden während eines fieberhaften Infektes nicht durchgeführt.

Den Kindern und dessen Angehörigen werden dann der Ablauf der Behandlung sowie die Besonderheiten, die im Vorfeld der Behandlung beachtet werden müssen (z. B. die Nahrungskarenz), aber auch Tipps und Kniffs für die erste Zeit nach der Behandlung, erläutert. Ziel ist die optimale Vorbereitung des Patienten, damit ein komplikationsloser Behandlungsverlauf erzielt werden kann.

Am Behandlungstag sollte durch Anwesenheit der Bezugsperson(en) das Stressniveau auf niedrigem Level gehalten werden. Die spielerisch gestaltete Einleitung der Narkose über eine Maske stellt in aller Regel im Beisein der Eltern kein Problem dar. Nachdem das Kind eingeschlafen ist, wird die Behandlung ohne elterliche Betreuung fortgeführt. Über eine Infusionsnadel, die den Kindern erst nach dem Einschlafen gelegt wird, wird die Narkose mit Schmerz- und Schlafmitteln vertieft.

Den Kindern wird dann ein Beatmungsschlauch eingelegt, der die Atemwege sichert und über den sie während der Behandlung mit Sauerstoff versorgt werden. Der Zahnarzt kann nun ohne Abwehr des Patienten und nahezu zeitlich unbegrenzt seine Behandlung durchführen, während die Patienten in tiefer Narkose den Eingriff „verschlafen“.

Kinderzahnarzt Frankfurt + Narkose

Die räumliche und apparative Ausstattung der von uns betreuten Arbeitsstellen erfüllen die strengen Vorgaben unserer Dachgesellschaften bis ins Aufwachzimmer. Des Weiteren führen wir sämtliche Allgemeinanästhesien nur mit Hilfe von entsprechend ausgebildeten Fachschwestern für Anästhesie durch. Dies gewährleistet uns, zusätzlich zu unserer Erfahrung aus jährlich mehr als 1.000 Kindernarkosen bei zahnärztlichen Behandlungen, eine Sicherheit, die laut Nachrichten und Medien nicht überall anzutreffen ist.

Am Ende der Behandlung werden die Kinder sanft aus der Narkose erweckt. Sie werden dann noch für eine geraume Zeit in den Praxisräumen während der Aufwachzeit vom Anästhesieteam überwacht. Wenn die Kinder bzw. Patienten die Narkose ausgeschlafen haben, sie wieder adäquat reagieren und schmerzfrei sind, können sie in der Obhut ihrer Eltern nach Hause entlassen werden.

Bei entsprechend stabiler psychischer Konstitution kann Jugendlichen ab ca. dem 12. Lebensjahr durch anästhesiologische Begleitung in Form einer Analgosedierung, im umgangssprachlichen auch als „Dämmerschlaf“ bezeichnet, der negative Moment der zahnärztlichen Behandlung deutlich gelindert, wenn nicht gar genommen werden. Dabei werden unter fortlaufender Herz-Kreislaufüberwachung die Patienten unter Anwendung kurzwirksamer Anästhetika in einen Tiefschlaf versetzt. Der Patient behält dabei seine Spontanatmung und all seine Schutzreflexe, eine unzureichende Schmerzausschaltung durch die Lokalanästhesie seitens des Zahnarztes wird durch Anwendung von stark wirksamen Schmerzmedikamenten ausgeglichen.

Selbstverständlich eignet sich diese Behandlungsmethode auch für erwachsene Patienten, die entsprechende Indikation kann u. a. durch den Zahnarzt gestellt werden, sie kann aber auch vom Patienten selbst, über das übliche Leistungsvolumen der Krankenkasse hinaus, gewählt werden. Da dieses Behandlungskonzept ein gewisses Maß an Kooperation verlangt, ist es in aller Regel für Patienten unterhalb des 12. Lebensjahrs nur eingeschränkt geeignet.

Fazit: Auch wenn in den Medien über ein erhöhtes Risiko von Zahnbehandlungen unter Vollnarkose berichtet wird; setzt man alle Vorgaben der Fachgesellschaften stringent um, stellt die Allgemeinanästhesie in der Zahnheilkunde kein erhöhtes Risiko dar.

Gastbeitrag von Norbert Pratz, Facharzt für Anästhesie vom der Praxisklinik Elisenpalais


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